Proseminar: Befürsorgte Opfer – Österreichische Sozialpolitik und NS-Opfer

Ziele und Inhalt der Lehrveranstaltung

Wesentliche Teile der staatlichen Maßnahmen in Österreich zugunsten von Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung sind dem Sozialrecht zuzuordnen. Das wichtigste Gesetz in diesem Zusammenhang ist das Opferfürsorgegesetz (OFG) aus dem Jahr 1947, welches das erste OFG 1945 ersetzte und seitdem über 60 Änderungen erfahren hat. Bereits der Titel dieses Bundesgesetzes „über die Fürsorge für die Opfer des Kampfes um ein freies, demokratisches Österreich und die Opfer politischer Verfolgung“ lässt die Leitlinie der österreichischen Politik im Hinblick auf die NS-Opfer erkennen: Es ging nicht um eine Haftung oder Verantwortung der Zweiten Republik für die während der NS-Zeit begangenen Verbrechen, sondern um die staatliche Befürsorgung eines eingeschränkten Kreises von Geschädigten in unterschiedlichem Ausmaß (Opferkategorien). Im Zuge der Novellierungen wurden neben den mildtätigen Fürsorgeleistungen schließlich auch Entschädigungen im OFG verankert. Die Studierenden eignen sich im Proseminar Grundlagen der Entstehungsgeschichte des OFG und seiner Bestimmungen im Kontext österreichischer Sozial- und Vergangenheitspolitik an. Im Mittelpunkt stehen hierbei die Herausarbeitung von Gesetzgebungsphasen, die unterschiedliche Behandlung der Opfergruppen und Problembereiche im Gesetz und in der praktischen Vollziehung. Im Rahmen von Exkursen werden weitere staatliche Maßnahmen behandelt (z.B. sozialversicherungsrechtliche Begünstigungen gemäß §§ 500-506 ASVG).

Beurteilungsmaßstab

In formaler Hinsicht werden die regelmäßige und aktive Teilnahme, zwei kleinere schriftliche Hausarbeiten, eine Gruppenarbeit, ein Referat und eine Proseminararbeit (im Umfang von 13 bis 15 Seiten) verlangt. Die Endnote setzt sich aus der Beurteilung der Hausarbeiten, des Referats, der Mitarbeit und der Proseminararbeit zusammen.

Gäste in der Lehrveranstaltung

  • Renate Knöfel, Referatsleiterin des Referats Opferfürsorge, MA 15 Gesundheitswesen und Soziales.
  • Karin Berger und Claudia Spring vom Projekt "Vollzugspraxis des Opferfürsorgegesetzes" der Österreichischen Historikerkommission.

Proseminararbeit

Ausgangsbasis der Proseminararbeit ist das während des Semesters gehaltene Referat. Die Themenwahl ist bindend, der Titel kann jedoch frei gewählt werden. Die genaue Abgrenzung des Themas erfolgt im Zweifelsfall in Absprache mit dem Lehrveranstaltungsleiter. Die Darstellung soll in die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen eingebettet sein. Neben den für die Fragestellung wichtigen Passagen aus dem Opferfürsorge-Gesetz (bzw. fallweise auch anderen relevanten Gesetzesmaterien) sollen auch, soweit möglich, Angaben zum Vollzug gemacht werden. Achten Sie darauf, „Vorgeschichten“ wirklich nur dann zu erläutern, wenn dies zum Verständnis Ihrer Themenstellung notwendig ist. Zusätzlich zur Sekundäranalyse ist bei Themen aus den Blöcken Opfergruppen und Problembereiche illustrativ auf Fallbeispiele einzugehen, welche der Literatur und den Beständen des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes zu entnehmen sind. Bei Themen aus den Blöcken Gesetzgebung sowie Exkurse / Abrundungen halten Sie bezüglich der etwaigen Fallbeispiele bitte Rücksprache.

Formale Kriterien:

Umfang: Arbeiten aus dem Themenblock Gesetzgebung 13 Seiten reiner Text, aus den Themenblöcken Opfergruppen, Problembereiche und Exkurse 14 bis 15 Seiten. Die Arbeiten zu den Opfern aus „Gründen der Abstammung“ und der Vergleich mit der Bundesrepublik Deutschland können optional auch zu zweit verfasst werden, in diesem Fall beträgt der Umfang 20 Seiten, allerdings muss klar ersichtlich gekennzeichnet sein, welche Kapitel bzw. Absätze von welchem Autor / welcher Autorin verfasst wurden. Wissenschaftliche Sorgfalt, eine sinnvolle Gliederung, Belege und ein korrektes Quellenverzeichnis werden als Selbstverständlichkeiten vorausgesetzt. Druckfarbe schwarz, Schriftart nach freier Wahl, Schriftgröße 12 Punkt, Zeilenabstand 1,5. Die Proseminararbeit ist mit allen notwendigen Angaben (Lehrveranstaltung, Semester, Lehrveranstaltungsleiter, Name) auf einem Titelblatt zu versehen, zu heften und zu lochen.