Proseminar: Österreichische Vergangenheitspolitik

Ziele und Inhalt der Lehrveranstaltung

Der Umgang mit dem schwierigen Erbe der NS-Herrschaft in Österreich begleitete die Zweite Republik von ihrer Gründung an. Österreich nahm eine Sonderstellung ein, das Land wurde vom NS-Regime befreit, aber von den Alliierten nicht den Siegerstaaten zugerechnet, sondern bis zur Wiedererlangung der vollen Souveränität besetzt. Der 1945 wiedererstandene Staat setzte in verschiedenen Bereichen von Vergangenheitspolitik justizielle, legislative, exekutive und symbolische Maßnahmen.

Der Umgang mit der NS-Vergangenheit in der Zweiten Republik soll im Rahmen des Proseminars anhand von vorab definierten Analyseperspektiven politikwissenschaftlich untersucht werden.
Hierbei stehen – in Anlehnung an bestehende Modelle (Vgl. beispielsweise Dudek 1992 und Bergmann / Erb / Lichtblau 1995) – vier Komponenten im Vordergrund:

  • „Wiedergutmachung“ von NS-Verbrechen
  • Strafverfolgung von NS-Tätern bzw. Entnazifizierung
  • Rehabilitierung von NS-Opfern und Tätern
  • Erinnerungskultur / Gedächtnispolitik

Methode und Beurteilungsmaßstab

Die Studierenden bearbeiten innerhalb ihrer Themengruppe die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und wirksamen Geschichtsbilder, die maßgeblichen innen- und außenpolitischen Faktoren, die Akteure und die politischen Entscheidungsprozesse einschließlich ihrer Ergebnisse, also die staatlichen Maßnahmen und ihre Auswirkungen, wobei auch auf nicht gesetzte Maßnahmen sowie gescheiterte Versuche der Politikimplementation eingegangen werden soll. In formaler Hinsicht sind ein Referat (oder eine Ersatzleistung), zwei kleinere Hausarbeiten, die in der Anfangsphase des Proseminars abzugeben sind, die Mitarbeit an der Vorbereitung der Diskussionsrunden mit den Gästen sowie eine Proseminararbeit im Umfang von rund 15 Seiten gefordert. Die Endnote setzt sich aus der Referatsnote, der Note der schriftlichen Arbeiten und der Mitarbeit zusammen. Es herrscht Anwesenheitspflicht (zwei Fehleinheiten sind gestattet).

Gäste in der Lehrveranstaltung

Literatur (Auswahl)

Manoschek, Walter: Verschmähte Erbschaft. Österreichs Umgang mit dem Nationalsozialismus 1945 bis 1955. In: Sieder, Reinhard; Steinert, Heinz; Tálos, Emmerich (Hg.): Österreich 1945-1995. Gesellschaft – Politik – Kultur (Wien 19962) S. 94–106.
Manoschek, Walter; Geldmacher, Thomas: Vergangenheitspolitik. In: Dachs, Herbert u.a. (Hg.): Politik in Österreich. Das Handbuch (Wien 2006) S. 577–593.
Uhl, Heidemarie: Das „erste Opfer“. Der österreichische Opfermythos und seine Transformationen in der Zweiten Republik. In: Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft, 1 (2001) S. 19–34.

PROSEMINARARBEIT

Ausgangsbasis der Proseminararbeit ist grundsätzlich das während des Semesters gewählte Referatsthema. Jene TeilnehmerInnen, die anstelle des Referats die Ersatzleistung Rezension erbringen, wählen das Thema ihrer Proseminararbeit aus einer von der Lehrveranstaltungsleitung vorgegebenen Liste. Die Themenwahl ist bindend, der Titel der Proseminararbeit kann jedoch frei gewählt werden. Die genaue Abgrenzung des Themas erfolgt im Zweifelsfall in Absprache mit dem Lehrveranstaltungsleiter. Da es sich um eine politikwissenschaftliche Proseminararbeit handelt, soll die Behandlung des Themas in eine Darstellung der gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen eingebettet sein. Halten Sie sich an die zeitliche und thematische Abgrenzung Ihres Themas - darüber hinausgehende "Vorgeschichten" und "Nachbetrachtungen" sind nur dann sinnvoll, wenn dies zum Verständnis Ihrer Themenstellung unbedingt notwendig ist. Bei Arbeiten aus den Themenbereichen "Wiedergutmachung" (Fürsorge und Entschädigung sowie Restitution entzogenen Vermögens), Strafverfolgung von NS-Tätern bzw. Entnazifizierung, Rehabilitierung von Tätern und Mitläufern sowie Rehabilitierung von NS-Opfern ist über die Abhandlung relevanter Gesetze (bzw. Gesetzesteile und -novellen) und ihrer Entstehung hinaus nach Möglichkeit auf die Vollzugspraxis (anhand von statistischen Daten bzw. Fallbeispielen) einzugehen. Im Zweifelsfall halten Sie Rücksprache mit dem Lehrveranstaltungsleiter. Alle Arbeiten aus dem Themenfeld Erinnerungskultur / Gedächtnispolitik müssen einen Abschnitt zur Theorie enthalten und die Abhandlung selbst soll in die gewählten theoretischen Ansätze eingebettet sein. Um einer etwaigen thematischen Beliebigkeit entgegen zu halten, ist die Auswahl der Bedenk- und Gedankenjahre sowie der Erinnerungsorte im Abschnitt Fragestellung fachlich zu begründen.

Formale Kriterien:

Die Proseminararbeit hat einen Umfang von 14 bis 15 Seiten Text aufzuweisen. Der Umfang von Arbeiten, die nach Maßgabe der Lehrveranstaltungsleitung von zwei Personen verfasst werden, beträgt 20 Seiten. Hierbei muss klar ersichtlich gekennzeichnet sein, welche Kapitel bzw. Absätze von welchem Autor / welcher Autorin stammen. Die vier Proseminararbeiten zu Erinnerungsorten können aufgrund des entstehenden Zusatzaufwandes (noch) kürzer ausfallen, wenn eine CD mit selbst gefertigten Fotos von den jeweiligen Orten beigegeben wird (bitte halten Sie Rücksprache mit dem Lehrveranstaltungsleiter, wenn Sie dieses Angebot nützen möchten!). Wissenschaftliche Sorgfalt, eine sinnvolle Gliederung, Belege und ein korrektes Quellenverzeichnis werden als Selbstverständlichkeiten vorausgesetzt. Druckfarbe schwarz, Schriftart nach freier Wahl, Schriftgröße 12 Punkt, Zeilenabstand 1,5. Die Proseminararbeit ist mit allen notwendigen Angaben (Lehrveranstaltung, Semester, Lehrveranstaltungsleiter, Name, Matrikelnummer) auf einem Titelblatt zu versehen, zu heften und zu lochen.

Abgabe:

Die Abgabe der Proseminararbeit war bis 30. Juni 2008 möglich. Die Studierenden haben ein Recht darauf, spätestens vier Wochen nach der Abgabe ihre Note auf dem elektronischen Sammelzeugnis einsehen zu können. Wird die Proseminararbeit allerdings erst mit dem letzten Termin am 30. Juni 2008 abgegeben und mit „Nicht Genügend“ beurteilt, haben die betroffenen Studierenden keine Möglichkeit mehr, diese Note auszubessern. Auf Wunsch erhalten Sie per E-Mail ein schriftliches Feedback zu Ihrer Proseminararbeit.